Affenarsch

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Es gilt im Allgemeinen als unfein, andere Menschen ungefragt zu korrigieren. Allerdings hält das die meisten, die es gerne tun,  nicht wirklich davon ab. Deshalb ist dieser Witz…

„Eine sächsische Mutter erzählt einer Bekannten: ‚Mein Sohn wird einmal Arschologe! ‘, woraufhin die andere antwortet: ‚Das heißt Proktologe!‘“

… nicht besonders weit hinter dem Hintern hergeholt. Besagte Proktologen sind jene Ärzte, die sich ausschließlich mit unserem hinteren Ausgang beschäftigen. Kann man mögen, muss man aber nicht. Andererseits sind viele von uns in ihrer täglichen Arbeit auch vorwiegend von Ärschen umgeben. Bei den Proktologen ist das –begrenzte – Betätigungsfeld zumindest selbst gewählt.

Ein bekanntes und exzellentes Buch mit dem Titel „House of God“ beschreibt treffend  Heranwachsen amerikanischer Mediziner vor dreißig Jahren. Darin erfindet ein gewisser Dr. Jung einen „Analspiegel“. Dabei handelt es sich einfach um einen Spiegel an einem Stock, mit dem man(n) oder frau Sie-wissen-schon-was betrachten kann, weil man ohne Hilfsmittel nicht so weit um die Ecke da unten gucken kann. Das war noch vor der Erfindung der Mobiltelefone mit Kamera – und falls Sie sich schon einmal gefragt haben, wie man auf die Idee mit dem Selfie-Stick gekommen ist, bzw. wozu der eigentlich gut sein soll: Jetzt wissen Sie‘s.

Wie immer macht, die Wissenschaft vor nichts Halt und hat herausgefunden, dass Schimpansen, die Hintern ihrer Artgenossen genauso wie deren Gesichter auseinanderhalten können. Wie kommen die Wissenschaftler darauf und was hat das mit mir zu tun? Nun, Menschen erkennen Gesichter konzeptionell, nicht nur nach Mustern. Das weiß man, weil man das erforscht hat. Ah ja. Und wie? Indem man Menschen auf dem Kopf gestellte Gesichter gezeigt hat. Sie können diese dann zwar erkennen, aber nicht so schnell und sicher wie die richtig herum gezeigten Varianten. Das weist darauf hin, dass es nicht die einzelnen Merkmale wie Augenbrauen, Mund, Augen und Nase sind, die wahrgenommen werden, sondern das Gesamtkonzept. So weit, so gut. „Ich schau Dir in die Augen kleines um Dein Gesamtkonzept zu erfassen müsste ich noch etwas anderes sehen…“

Als ich einer Freundin von meinen neuen Erkenntnissen erzählte, meinte sie:“ Das kannst Du bestimmt auch!“ Erkennen, ja, konzeptionell erfassen, ich bin mir unsicher, aber offen für den Versuch…

Dass unsere Affenfreunde ihre Artgenossen auch von hinten erkennen, hat aus evolutionärer Sicht klare Vorteile. Erstens strecken sie den Allerwertesten genauso heraus wie das Gesicht; und zweitens färben Weibchen, die einen Eisprung haben, ihren Pavianarsch noch röter und zeigen damit die Möglichkeit einer erfolgreichen Befruchtung an. Damit kann der kluge Affe schon von hinten sehen: Den Arsch kenne ich und Zeit wäre es auch mal wieder. Da haben wir es hingegen schon schwieriger. Wir denken uns zwar auch oft, „den Arsch kenne ich“,  und „ Zeit wäre es auch mal wieder“, aber ob gerade der richtige Moment ist, können wir nicht einfach so erkennen. Außerdem nehmen wir den verlängerten Rücken nicht konzeptionell wahr. Soll heißen: In einem Versuch war es völlig egal, wie herum man das Bild des Allerwertesten  vorgehalten bekam: Beim Menschen waren die Wahrscheinlichkeit, den Arsch als bekannt einzustufen und die Zeit, die dafür benötigt wurde, gleich. Also eben kein Arsch mit Ohren – sprich: Gesicht –, sondern nur ein Hintern. Anders verhielt es sich bei den Affen. Diese brauchten länger, um ihnen bekannte Hintern zu erkennen, wenn man ihnen die Bilder auf dem Kopf gestellt vorhielt. Ob die Bilder schwarzweiß waren oder in Farbe, spielte dabei keine Rolle. Beides deutet darauf hin, dass Affen die Ärsche wie Gesichter konzeptionell erfassen und erkennen. Eine Fähigkeit, die uns verloren gegangen ist. Ob das ein echter Verlust ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Interessant fände ich, ob es da genetisch bedingte Ausnahmen gibt, so wie es die für das Farbsehen gibt, – und wie das die Proktologen so sehen.

 

PS: Sinnlose Superkraft: In kompletter Dunkelheit mit den Ohren winken können.

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3 Gedanken zu “Affenarsch

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