Lügen über Lügen

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“Wie lange dauert es noch?“ Frage ich.

“Fünf Minuten…“ Sagt der Operatör. (Das war gelogen)

“Und?“, fragt der OP-Manager, “Was hat er gesagt?“

“Er hat gesagt: eine halbe Stunde, mindestens.“ (Das war auch gelogen) So geht das Spiel: sie lügen, ich lüge. 

Das war eine Szene aus dem OP, es könnte genauso gut eine Szene aus einer Ehe gewesen sein. Siehe: “Wann kommst Du nach Hause?“ und  „Sieht mein Hinteren in der Hose dick aus?“ Die ehrlichen Antworten auf diese Fragen („Am liebsten gar nicht„ und  „Dein Hintern sieht immer fett aus, lass‘ die arme Hose da raus!“), bringen Nachteile mit sich.

Menschen lügen. Sehr oft. Das heißt, sie sagen bewusst die Unwahrheit. Immer davon ausgehend, dass es so etwas wie eine allgemeingültige und objektive Wahrheit überhaupt gibt – die es natürlich so nicht gibt, wie wir schon längst wissen. Auch unsere eigenen Erinnerungen werden zum Großteil von unserem Gehirn jedes Mal, wenn wir uns an etwas erinnern, neu erfunden!  So weit, so gut. Es gibt keine objektive Realität und unsere Erinnerungen sind erfunden.  Trotzdem können wir aktiv lügen, wenn wir willentlich etwas anderes sagen als das, was wir für die „Wahrheit“ halten – oder diese verschweigen. Das tun wir erstaunlich häufig. Einige Forscher sagen – und sie glauben, das sei die Wahrheit –, dass wir im Durchschnitt zweimal pro Tag lügen. Die Zahl 200, die durch die Presse geisterte, stimmt so nicht. Im Schnitt reichen zwei Lügen pro Tag, um den Frieden zu wahren. Die brauchen wir, weil wir nicht jedem immer ehrlich alles sagen können oder wollen, ohne dass unser friedliches Zusammenleben dadurch in Gefahr wäre. Wir kommen schließlich aus einer Höhle, in der wir einst zusammensaßen und auf einander und auf das Wohlwollen der anderen angewiesen waren, und es auch heute noch sind, um unser Zusammenleben weniger reibungsintensiv zu gestalten, als es ohnehin schon ist.

Das weiß sogar TARS, der Roboter aus dem Film „Interstellar“, das Meisterwerk von Edward Nolan. Er hat als Roboter eine Ehrlichkeitseinstellung von 90%, da „absolute Ehrlichkeit“ weder „die diplomatischste noch die sicherste Form der Kommunikation mit emotionalen Wesen ist“. Da haben wir es: Sogar Roboter lügen, weil das im Umgang mit dem emotionalen Wesen Mensch besser ist. TARS hat auch eine Humoreinstellung. Die ist bei dem sogar höher als bei den meisten emotionalen Wesen, von denen ich so tagein, nachtaus umgeben bin. Zurück zur Lüge.

Auslassungen, kleine Lügen, kleine weiße Lügen, mittlere graue und große schwarze Lügen. Wer sagt, dass er nicht lügt – der lügt. Vielleicht belügt er sich damit erstmal selbst, weil er es tatsächlich glaubt. Lügen ist in den meisten Fällen nicht gesetzlich verboten. Nur vor Gericht ist man da etwas genauer. So ist im Übrigen auch das achte Gebot gemeint. Denn es heißt ja gar nicht:  „Du sollst nicht lügen.“ Das ist ein geschickter Übersetzungsfehler! Es heißt: „Du sollst nicht falsch aussagen gegen Deinen Nächsten“, und zwar vor Gericht! Das Gebot besagt also nur, dass man vor Gericht keine Falschaussage machen soll. So gesehen, ist es gar nicht so verkehrt.

Übrigens: Auch Tiere lügen. Nicht alle, sondern nur jene, die zu der Erkenntnis fähig sind, dass sie ein Selbst haben.

Je weiter entwickelt Tiere sind, desto wahrscheinlicher sind sie zur Lüge fähig. Wohl ein Evolutionsvorteil. Wir alle sind Lügner. Das ist die Wahrheit.

So geht das Spiel: sie lügen, ich lüge.

 

Kategorien: Sex

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