Igelschnauzenalarm

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Wer lustige neue Wörter kennen lernen will, ist hier immer richtig (danke, MM ;-)). Manchmal habe ich den Eindruck, es gibt für alles eine Operation. So wie es auch zu allem, was existiert, Pornographie gibt („Rule 34“); und so wie alles, was von Menschen erdacht werden kann und technisch möglich ist, auch umgesetzt werden wird. Erschreckende Vorstellung. Das fängt bei den Simpsons an, die sich Trump als Präsident der US und A ausgedacht haben und geht über Privatgefängnisse (Old Boy; Was für ein Film!), die Atombombe, „Selfie-Sticks“ – und jetzt: das!

Wahrscheinlich hängt das alles auf mysteriöse Weise zusammen und ich erfasse einfach nur den höheren Sinn nicht. Das geht mir dauernd so. Hütet euch vor denen, die behaupten Antworten zu haben! Vor mir muss man sich zumindest in dieser Hinsicht nicht hüten. Ich werde nur von Tag zu Tag verwirrter. Und nein, in meinem Alter ist das noch nicht „normal“! Also, was ist denn nun der Haken, an dem sich mein Verstand diesmal aufgehängt hat?

Es ist kein Haken, hat aber trotzdem etwas Hervorstehendes: Eine Operation, mit der man dauerhaft die Brustwarzen aufrichtet. Wohlgemerkt geht es dabei nicht um Schlupfwarzen, bei denen das sogar sinnvoll sein kann. Nein, es geht ausschließlich um die „ästhetische“ Korrektur hin zu dauerhaft steifen Brustwarzen. Wenn jemand auf die Frage: „Ist dir kalt, oder freust du dich so, mich zu sehen?“, die folgende Antwort gibt: „Nein, ist bei mir immer so, habe ich machen lassen…“, dann weiß man(n) bescheid. Die OP heißt „Dauer-Igelschnauzen-Alarm“. Nein, natürlich heißt sie so nicht, aber so sieht es nachher aus. Die „perimamilläre Bruststraffung“, so heißt sie in Wirklichkeit, gilt als sogenannte „medizinisch nicht notwendige Operation“, d.h., Frau lässt sich nur deshalb an den Nippeln rumschnipplen, weil sie das so will. Das ist natürlich ein legitimer Grund für viele Dinge, solange man damit nicht die Freiheit anderer Menschen einschränkt. Ich kann mir dabei wirklich nur schwer vorstellen, dass mich das in meiner Freiheit irgendwie einschränkt; nicht einmal, wenn die Igelschnäutzchen sehr, sehr lang werden und es in der U-Bahn sehr, sehr eng ist. Wenn sie dann fragt: „Haben Sie eine große Banane in der Hose, oder freuen Sie sich so, meine Igelschnauzen zu sehen“, kann ich dann sagen: „Das ist bei mir immer so, habe ich machen lassen.“

Apropos U-Bahn. In der New Yorker U-Bahn und in Madrid  gibt es Kampagnen gegen das so genannte „Manspreading“.  Dabei geht es nicht um Igelschnauzen, sondern um das breitbeinige Sitzen von Männern, die so ihrem großen und  gewaltigen – richtig geraten – Geltungsdrang und dem Bedürfnis nach Dominanzverhalten nachkommen. (Das weibliche Äquivalent ist übrigens das „She-Bagging“, das rein gar nichts mit „Tea-bagging“ (nicht googeln!) zu tun hat*) Da das Manspreading andere in ihrer Freiheit einschränkt, ist es unerwünscht. Freiheit ist immer die Freiheit des anderen (Rosa Luxemburg). Außerdem nimmt ein Mann so in der New Yorker U-Bahn, in der die Plätze längs nebeneinander angeordnet sind, je nach Größe der imaginären Eier, die Freiraum zum Schaukeln brauchen, bis zu drei Plätze auf einmal ein. Das geht so natürlich nicht und deshalb gibt es jetzt Schilder, die das Verhalten unterbinden sollen. Kann mir gut vorstellen, dass das so richtig hilft. Falls nicht, einfach hingehen und den 1,90m-Boliden auf seine gespreizte Haltung mit der Bitte hinweisen, er möge seine Gliedmaßen doch bitte wiederzusammenfalten. Wer dann ein „Ich falt‘ dich gleich zusammen!“ zu hören bekommt, kann dann nachher vielleicht selbst in den Genuss eines plastischen Chirurgen kommen, allerdings für eine medizinisch wirklich notwendige Aufrichtung, meist der eigenen Nase.  Auch eine Berliner Benutzerin des öffentlichen Nahverkehrs kam auf die Idee, das „Manspreading“ zu einem gesellschaftlichen Problem zu erheben. Sie fragte per Twitter beim BVG an, ob so eine Kampagne denn in Berlin nicht auch durchgeführt werden könnte. Die Antwort war Berlin pur, so kristallklar, dass sie dann auch gleich wieder gelöscht werden und der Autor sich entschuldigen musste. Der hatte nämlich geantwortet: „Wir arbeiten noch an unserer Kampagne für mehr Womanspreading, vielleicht danach.“

* Damit Sie wirklich nicht auf die Idee kommen, She-Bagging oder aus Versehen Tea-Bagging zu google, hier die Erklärung: Beim She-Bagging belegen Frauen mit ihren auslandenden Handtaschen gerne mal den Platz neben sich im ÖPNV – was dem Mann die Eier sind ist der Frau die Designerhandtasche.

PS: Sinnlose Superkraft: Bierdeckel 3 cm hoch fliegen lassen können, aber nur wenn niemand hinsieht.

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PPPS: Das Buch „Viva La Reanimation“ des Blogs E1ns E1ns Null ist draußen, witzige und traurige Geschichten aus dem Rettungsdienst. Schaut mal rein.

 

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