„How I Met Your Mother“ und Tinder

How I met your Mother“ (HIMYM) ist eine US-amerikanische Fernsehserie. Die Handlung ist schnell zusammengefasst: Der Vater erzählt seinen beiden Kindern langatmig, dass er mit so gut wie jeder Frau geschlafen hat, die bei drei nicht das Pfefferspray gezückt hat. Langatmig heißt hier, 9 (in Worten: neun (!)) Staffeln lang. Hätte er am Anfang auf die Frage einfach geantwortet: „Ich will nicht darüber reden…“, wäre das alles etwas kürzer ausgefallen. Ich muss leider gestehen, dass ich im Notarztdienst die Serie gerne sehe. Einmal, als Barney gerade am Zoll mit einer Box aufgehalten wird und diese nicht öffnen möchte, ging der Notarzt-Piepser und wir mussten zu einen Kind mit Atemnot rasen. Das sind emotional immer sehr fordernde Einsätze, im Gegensatz zur die achthundertsten Blutdruck-krise zu der man gerufen wird. Je nach Notarztfahrer ist auch die Anfahrt für alle beteiligten Mägen belastend. 130km/h in der Innenstadt führen auch mal zu Blutdruckkrisen bei Notärzten. Trotzdem schoss mir dauernd der Gedanke durch den Kopf: Jetzt werde ich nie erfahren, was in der verdammten Box ist! (What´s in the box!!! Tell me what’s in the box!!!) Bei der Familie angekommen, stellte sich heraus, dass das einjährige Kind, das ein Plastikstück von einer Tempotaschentücher-Packung eingesaugt hatte und deshalb blau angelaufen war, dieses wieder ausgehustet hatte und somit wohlauf war. Der Vater, der auf das Kind alleine zuhause aufgepasst hatte, war völlig aufgelöst, so dass ich mir viel Zeit nahm, um ihn zu beruhigen und noch mehr Zeit, um mein Notarztprotokoll auszufüllen. Dies tat ich auf seiner Couch im Wohnzimmer. Gegenüber der Sitzgelegenheit steht in den meisten Wohnzimmern – was? Richtig, der Fernseher. Der noch lief. Was tut der brave „Stay at Home Dad“ am Vormittag? Er kuckt HIMYM. So dass ich am Ende doch noch erfahren habe, was in der Box ist.

Ganz anderes verlief ein erstes Tinderdate, das auch den Einsatz der Rettungskräfte erforderlich machte. Zwei Studenten, die beide auf Tinder nach rechts gewischt hatten, hatten ihr erstes Date bei ihm in seiner Studentenbude. Sie hatten etwas gegessen, Wein getrunken und einen Film gesehen. Danach musste sie die Toilette aufsuchen. Als sie fertig war, stellte sich zu ihrem Grauen heraus, dass die Toilette nicht spülte. Aufgrund der Peinlichkeit der Situation erfasst die Sportstudentin „Panik“ und sie kommt auf die ruhmhafte Idee, die ihr später eine Crowdfunding-Kampagne und einen Artikel in der BBC einbringen wird.: Sie nimmt ihre in der Toilette schwimmende Ausscheidung und wirft sie aus dem Kippfenster. Unangenehm nur, dass das gekippte nur das erste von zwei Fenstern war und die zweite Scheibe sich nicht öffnen ließ.  Wer so etwas konstruiert, muss einen ganz besonderen Grund dafür gehabt haben, oder ist einfach besonders dämlich.  Jetzt befindet sie sich also in der Situation, dass zwischen den beiden Scheiben im Bad etwas steckt, was da definitiv nicht hingehört. Als die Sportstudentin, die sie ist, denkt sie: Ich mache das Ganze einfach nur noch schlimmer und werde zwischen die beiden Fenster klettern, um das Korpus Delikti zu entfernen. Gesagt, getan – und dabei steckengeblieben. Kopfüber. Der Student war ein Gentleman und hat die Situation nicht ausgenutzt, so wie die Maus in diesem Bild, sondern die Feuerwehr gerufen. Bei der Befreiungsaktion ging das Fenster zu Bruch, das nun der arme Student bezahlen muss. Dreihundert britische Pfund, das sind in ein paar Jahren ungefähr 27 ½ Schilling oder fast 15 Euro, doch heute ist es noch viel Geld für ihn, weshalb er eine Crowdfunding-Seite (mit Bildern!) aufgesetzt hat, auf auf der er die Geschichte erklärt und um Geld für das Fenster bittet. Bis jetzt hat er 2700 Pfund zusammen!

Nachdem die beiden beim ersten Date schon so viel zusammen durchgestanden haben und jede mögliche Peinlichkeit aus dem Weg geräumt – oder: vorweggenommen –  haben, gab es sogar ein zweites Treffen. Ob etwas daraus wird, wissen wir nicht. Falls doch – und wenn ihre Kinder sie dann einmal fragen: „How did you meet my father?“, dann kann sie getrost sagen: „Darüber möchte ich nicht sprechen…“

 

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