Psychopathen, Trump und Mediziner

Jeder kennt ihn, Donald den Trumpel, der zurzeit am roten Knopf sitzt. Ein Psychopath; ich darf das sagen, denn ich bin Arzt und außerdem erfüllt er alle nötigen Diagnosekriterien

  • Pathologisches Lügen
  • Extremer Narzissmus
  • Fehlende Empathie
  • Geringste Frustrationstoleranz

Kurz gesagt: Er ist gefährlich. Das ist nichts Neues. Neu ist vielleicht einigen, dass Psychopathen häufiger sind als die Meisten glauben, wenngleich sie oft nicht so sehr auffallen. Wenn wir das Wort „Psychopath“ hören, denken wir an Hannibal Lecter oder an Dexter, doch das ist nur die eine Seite. Es gibt ebenso „highly functional“ Psychopathen, die nicht mit dem Gesetz in Berührung kommen. In der Durchschnittsbevölkerung schätzt man den Anteil derer Menschen, deren ganz spezielle Eigenschaften sie eben zu Psychopathen machen, auf 1-5%. Das heißt im Klartext: Jeder von uns kennt einen Psychopathen, meistens wissen wir das aber nicht. Eine höhere Anzahl dieser Spezies findet sich in Berufen, bei denen ihre positiven Eigenschaften zur Geltung kommen können. Ja, positive Eigenschaften haben sie auch,  wie zum Beispiel unter Stress einen kühlen Kopf bewahren und schnell Entscheidungen treffen können, ohne dabei von Gefühlen verunsichert zu werden. Die Berufe mit dem höchsten Psychopathen-Anteil sind lauf Prof. Kevin Dutton, der sich hauptberuflich mit Psychopathen beschäftigt: CEOs, Anwälte, Politiker, Bänker und Chirurgen[1].

Es ist sehr wohl von Vorteil, wenn mein Chirurg einen kühlen Kopf behält, während er an meinem Herz oder Gehirn herumschneidet und sich dabei keine Gedanken darüber macht, was er da gerade alles kaputt machen kann[2]. Das ist die gute Seite. Und dann ist da Paolo Macchiarini. Noch nie von ihm gehört? Das mag daran liegen, dass nur Menschen ihn sicher kennen werden, die sich mit Luftröhren-Transplantationen näher beschäftigen. Er war lange Zeit ein Shooting- und Superstar, nicht so wie Kim-Hintern-Kardashian, sondern jemand, der es möglich machen wollte, Organe nachwachsen zu lassen, um sie dann zu transplantieren. Bei der Transplantation ist neben der OP-Technik das Problem, dass der Körper das neue Organ natürlich als „fremd“ erkennt und wie einen Schädling vernichten möchte. Doof nur, wenn der „Schädling“ das neue Herz ist. Deshalb versucht man vor der Transplantation einen dem Patienten möglichst ähnlichen Spender zu finden (am besten funktionieren eineiige Zwillinge, ähnlich wie in dem Film „Die Insel“. Nach der Transplantation wird das Immunsystem des Empfängers für den Rest seines Lebens stark unterdrückt, damit er das Organ behält und nicht wieder abstößt. Das hat natürlich erhebliche Nebenwirkungen. Ideal wäre es, wenn man die benötigten Organe einfach im Labor wachsen lassen könnte, denn dann wären auch das Problem mit den Zwillingen und das leidige Thema mit der Organspende geklärt. Genau das schaffte Macciarini. Das ließer zumindest alle glauben und seine Karriere glich deshalb einem raketenhaften Aufstieg. Bis sie explodierte. Alles gefälscht. So gut wie alle Patienten gestorben. Die am Leben sind, sind nicht wegen, sondern trotz seiner künstlichen Luftröhren noch am Leben.

Auch privat nahm er es nicht ganz so genau. Die Journalistin, die eine Reportage über ihn drehte, verliebte sich in ihn und die beiden planten ihre Hochzeit. Eine Große. Unter anderem stünden auf der Gästeliste: die Obamas, die Clintons, Vladimir Putin, Nicolas Sarkozy und andere Größen der Welt. Andrea Bocelli würde für sie singen. Papst Franziskus selbst würde die Zeremonie leiten. Klingt toll, doch als der große Tag nahte, stellte sich heraus, dass alles gelogen war. Im Übrigen, noch ein kleines Detail am Rande: Macchiarini war schon seit dreißig Jahren verheiratet. Die schwedische Universität Karolinska, eines der weltweit angesehensten Institute (dessen Jury wählt den Kandidaten für den Medizin-Nobelpreis aus), schmiss ihn raus. Nicht weil er wegen dem Papst gelogen hatte, sondern weil seine Forschung komplett auf Lügen beruhte. Man glaubte ihm, weil man ihm glauben wollte, da er doch die Lösung für ein großes Problem versprach.

Psychopathen sind manchmal so erfolgreich, weil sie uns genau das erzählen, was wir hören wollen. Und damit sind wir wieder bei Donald dem Trumpel. Auch er erzählt Lügen und verspricht Teilen seiner Bevölkerung genau das, was sie hören wollen – ungeachtet dessen, wie grotesk und an den Haaren herbeigezogen das auch sein mag.

Traue denen nicht, die einfache Antworten für große Probleme haben: Entweder sie haben das Spiel nicht verstanden oder sie verstehen es zu gut und lügen Dich an.

 

Ein Gedanke zu “Psychopathen, Trump und Mediziner

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